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Hermannstädter Zeitung 12. Mai 2005
Deutsches Wochenblatt  Nr.1928/38.Jahrgang

Erscheint jeden Freitag in Sibiu/Hermannstadt, Rumänien

Gemeinsame Sprache Musik
Gespräch mit dem österreichischen Jazzmusiker Heinz von Hermann

Internationales Jazzfestival in Hermannstadt, Sonntag 19.30 Uhr, Gewerkschaftskulturhaus: Die ersten zehn Zuschauer warten auf den Kartenverkäufer. Die Bar im Foyer hat bereits geöffnet. Der Saal ist noch leer. Auf der Bühne ist Bewegung, das Klavier wird gestimmt. Doch dann gibt's technische Probleme: 28 Minuten Verspätung. Das Quintett Straight Six" - und nicht "jazzAhead", wie angekündigt - tritt auf: Bruno Castellucci (Drums), Mads Vinding (Kontrabaß), Jörg Reiter (Klavier), Dusko Goykovic (Trompete) und Heinz von Hennann (Flöte und Saxophon).

   Sie beginnen Ihr Konzert mit "OY-0Y-OY" und beenden es mit "Zucker"?
Man braucht einen guten "Opener", um die Leute aufzuwecken, und etwas Gutes am Ende, damit sie glücklich nach Hause gehen.
  Sie befinden sich auf aner längeren Tournee. Wo sind Sie aufgetreten?
Wir waren in Frankreich, in Deutschland, und jetzt sind wir hier. Eigentlich waren wir im Sextett mit Adrian Mears unterwegs. Er ist Australier und hat leider kein Visum für Rumänien bekonunen. Darum mußten wit das Programm ein bißchen verändern, man kann nicht eine Stimme einfach auslassen.
  Wie finden Sie die rumänische jazzszene?
Das kann ich nicht so genau sagen, weil ich nicht viel davon kenne. Ich kenne aber die rumänischen Musiker, die in Deutschland leben, und habe jahrelang mit Eugen Cicero gespielt. Er war sehr gut, wie auch die paar anderen, die ich kennengelernt habe.
  Sie spielen mit Dusko Goykovic zusammen, der in Hermannstadt vor 30 Jahren aufgetreten ist...
Wir kennen uns seit 40 oder 50 Jahren. Ich habe früher in seiner Big-Band gespielt, wir sind auch sonst zusammen, aufgetreten. Es ist nicht immer so, daß ich der Bandleader bin. Einer muß es sein, damit er sagt, was passiert. Aber sonst geht es immer sehr demokratisch bei uns zu. Wichtig ist, daß die Dramaturgie stimmt.
  Wo sind Sie zur Zeit, am häufigsten zu sehen und zu hören?
Ich spiele im Moment am meisten in Österreich. Aber eigentlich bin ich ein Exil-Wiener. Ich bin 1958 aus Wien fortgezogen und nie wieder dorthin zurückgekehrt. Fünf Jahre habe ich in Spanien gelebt, danach in Afrika, 25 Jahre in Deutschland und habe dann eine Professur in Klagenfurt bekommen und bin wieder nach Österreich zurückgekommen. Dann bin ich aus Altersgründen gegangen worden und kann jetzt machen, was ich will.
  Und was machen Sie am liebsten?
Spielen und komponieren und arrangieren.
  Wie war das Hermannstädter Publikum?
Das Publikum war wunderbar, total happy. Meine Erfahrung ist daß auch ganz junge Menschen nichts gegen gute Musik haben. Ich war mal in Berlin bei einem Rockfestival, wo man die Musik der anderen Bands schon aus 50 Meter Entfernung gehört hat. Und Wir waren trotzdem die Band mit dem größten Erfolg. Die jungen Leute hatten zwei Tage lang nur Baßgitarre gehört, und da kamen plötzlich wir mit vier Saxophonen und Trompeten: Sie haben getobt!
  Also hat Jazz auch bei jungen Leuten eine Zukunft?
Meiner Erfahrung nach ja. Es gibt in Österreich und in Deutschland jede Menge gute Jazzabteilungen an den Konservatorien. Es gab nie so viele gut ausgebildete junge Jazzmusiker wie jetzt. Wenn sie aber einmal im Monat irgendwo spielen können, sind sie glücklich. Ich habe 15 Jahre meines Lebens 350 Tage im Jahr gespielt. Das kommt den jungen Musikern wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht vor, weil sie einfach keine Gelegenheit mehr haben, öfter aufzutreten.
  Sie haben auf allen Kontinenten gespielt. Wo ist der Jazz zu Hause?
Eigentlich überall. Jazz ist schon seit hundert Jahren Weltmusik. Mit dem japanischen oder dem brasilianischen Musiker verstehen wir uns auf der Bühne, weil Musik eine Sprache ist, und wenn man eine gemeinsame Sprache spricht, kann man sich austauschen!
  Vielen Dank für das Gespräch!


Ruxandra STÅNESCU

Jazzzeit # 53, Mar-Apr 05
CD-Besprechung

Heinz von Hermann         A Taste of T.
(vier von 5 Punkten)

Jive 2048-2 (Sound Design)

Die Musiik Thelonious Monks ist immer ein Thema. Allein im Vorjahr erschienen sieben bis acht CDs, die sich ausschließlich mit den Kompositionen des eigenwilligen Komponisten und Pianisten auseinander setzten, eine
davon stammt vom Heinz von Hermann Trio. Der Saxofonist/Flötist Hermann, Erwin Schmidt, p, und Uli Langthaler, b, gehen behutsam mit den Tonschöpfungen des Meisters um, nehmen sich dabei aber Zeit genug, um den Monk Titeln ihren Stempel aufzudrücken. Hermann brilliert wieder auf verschiedenen Blasinstrumenten, Erwin Schmidt und Uli Langthaler lassen keinen Schlagzeuger vermissen, füllen die Räume mit improvisatorischen Eifer. »A Taste of T.« ist keine aggressive Bearbeitung von Stücken wie »Evidence«, »Trinkle Trinkle«, »Ruby my Dear«, »Crepuscule with Nellie« usw., sondern eine musikalisch feinsinnige, geschmackvolle Interpretation des Monkschen Universums. (bak)

Concerto Nr.3 Juni/Juli 2004

Die nachgetragene Jubiläumsfeler
Heinz von Hermann gratuliert Bix Beiderbecke zum 101. Geburtstag


Eigentlich verblüffend. In Zeiten des Event- und Jubiläumsbooms, der in den 90er Jahren auch in der Jazzszene um sich gegriffen hat, verschläft man doch glatt einen herrlich runden Geburtstag. Nicht dass Bix Beiderbecke, der 2003 100 Jahre alt geworden wäre, wenn er nicht schon mit 28 alkoholbedingt das Zeitliche gesegnet hätte, mit den 1998/99 in Hommagen ertränkten Kollegen Ellington oder Gershwin mithalten müsste - dass sein Name im Zuge dieses Anniversariums freilich so ganz und gar nicht aufgegriffen wurde, das verblüfft schon.
Für Heinz von Hermann war dies jedenfalls ein Grund, dem jungen Trompeter posthum zum 101. Geburtstag zu gratulieren. Schließlich hat sich der aus Wien stammende Saxophonist, der sich nach langen Wanderjahren in Frankreich, Spanien, Nordafrika und Deutschland vor etwa 15 Jahren in Strobl am Wolfgangsee niedergelassen hat, um eine späte Solokarriere zu starten, im Laufe seiner mittlerweile 68 Lebensjahre wiederholt mit den formal und harmonisch komplexen, insbesondere vom Impressionismus beeinflussten Kompositionen Beiderbeckes beschäftigt. "Als ich Mitte der 50er Jahre anfing, war das natürlich schon ein alter Hut", so Hermann über seine Annäherung.
"Irgendwann habe ich aber bemerkt, dass - man betrachte etwa Muskat Ramble' - der Formenreichtum im Dixieland-Jazz ein wesentlich größerer ist als der im Bebop mit seinem ABA-Schema. Es ging nun darum, die zeitbezogene Stilistik abzuziehen und das herauszufiltern, was Beiderbeckes Musik an essenzieller Schönheit und Präszision besitzt.
Hermann nähert sich auf "Hi, Bix!" dem jungen Musikus passenderweise über sein schlagzeugloses Kammerjazz-Trio, das Pianist Erwin Schmidt und Bassist Uli Langthaler komplettieren. In dieser intimen, "entschleunigten" Besetzung forscht man Note für Note an den alten Piecen, die Beiderbecke einst in hellen Momenten
geschrieben hat oder die mit seiner Zeit verknüpft sind: "Davenport Blues", "Rosetta', "Basin Street Blues" und wie sie alle heißen. Stammen die Stücke zumeist aus den 20er Jahren, so bedienen sich die drei Musiker des Hardbop-Vokabulars der 50er, was gemeinsam mit der ungewöhnlichen Instrumentierung eine zweifellos interessante Brechung bedeutet. Wobei der Respekt überwiegt und sich Heinz von Hermann einmal mehr als Mann der Jazztradition zeigt. In den Eigenkompositionen, etwa "Sein Loose Blooze", lässt Erwin Schmidt hingegen in komplizierten, dissonanten Voicings durchaus einige kühne Reibungsmomente entstehen.
Einer Spezialbehandlung wird Beiderbeckes bekanntestes Stück "in A Mist" unterzogen, das der deutschstämmige Musiker, dessen Vorname sich von Kanzler Bismarck herleitete, einst solo am Piano einspielte: Heinz von Hermann am Baritonsax und Erwin Schmidt interpretieren die von Fritz Pauer erstellte, notengetreue Transkription des Stücks im Duo, ohne einen Ton zu improvisieren. Ob das nicht ein bisschen zu ehrfürchtig musiziert ist und nach Marsalis'scher Musealisierung riecht?
"Das Stück hat ja nichts mit Dixieland, sondern mehr mit Debussy und Ravel zu tun", so Hermann. "Ich fand, dass es auch im Original schon abwechslungsreich genug ist, um ohne Improvisation auszukommen. Zudem sage ich meinen Studenten an der Jazzabteilung des Kärntner Landeskonservatoriums oft:
Musik von früher soll durchaus eine Bearbeitung erfahren, aber immer mit dem gehörigen Respekt!" Ob man Bix Beiderbeckes Genüge tut, indem man seine Ideen von einem in einanderes historisches Idiom überträgt, oder ob in seinen Stücken nicht auch Potenzial für modernere Sichtweisen innewohnt, dies zu klären, bleibt wohl Hermanns jüngeren Kollegen überlassen. Zumal er selbst bereits wieder mit anderen Projekten, etwa einer Thelonious Monk-Hommage, beschäftigt ist. Dass jenen Musikern, die nicht wie er die "Gnade der frühen Geburt" genießen, Bix Beiderbecke überhaupt wieder einmal ins Gedächtnis gerufen wird, dafür ist mit "Hi, Bix!" zweifellos gesorgt.

Andreas Felber

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Jazzzeit Ausgabe 46 / Mai 2004

MULTI-REED PLAYER Heinz von Hermann zählt seit vielen Jahren zu jenen Live- Künstlern in Österreich, der bis zum heutigen Tag auf eine überaus ansehnliche 'Jazzgeschichte' blicken kann. In Wien geboren kam er von der Geige und einer Vielzahl von instrumentalen Zwischenschritten zum Saxophon, das er in mehrfacher Zahl, vom Tenor und Bariton bis zum Sopran und Alt in seinen Konzerten einsetzt.

Auf seiner neuen CD Hi, Bix! ist er jedoch ausgiebig auch auf der von Saxophonisten eher wenig verwendeten Flöte zu hören, die "ich besonders in den 70er Jahren sehr häufig gespielt habe, Wenn auf den Aufnahmen der Big Band von Peter Herbolzheimer ein Flötist oder ein Flötensolo zu hören ist, bin das immer ich gewesen. Das führte dazu, dass ich als Studioflötist in München und Berlin sehr gefragt war, man kann mich etwa auch auf einigen Platten von Milva hören." Dass er immer wieder die verschiedenen Saxophone einsetzt, hat viel mit seiner langjährigen Big Band-Arbeit zu tun: "Beispielsweise in der Paul Kuhn-Big Band musste ich zu vierzig bis fünfzig Prozent Sopransaxophon spielen, da damals der Stil der Thad Jones/Mel Lewis-Big Band als Maßstab galt und dort eben das Sopran als Lead Saxophon bestimmend war; die Erfordernisse waren eben immer sehr unterschiedlich."

HI, BIX !

"Ich war immer schon ein Bebopper oder Hardbopper. Mit meiner CD, die mit dem 101sten Geburtstag von Bix Beiderbecke zusammen fällt, möchte ich auf den Formenreichtum der Stücke aus den 20er und 30er Jahren hinweisen, so waren mehrere Tonarten keine Seltenheit. Im Bebop stand das AABA Schema im Zentrum und bildete nur den Rahmen für das ausgiebige solistische Spiel der Musiker." Mit Hi, Bix! will Hermann auf diese positiven Elemente in jener Zeit aufmerksam machen, die von vielen Musikern heute als veraltet und wenig interessant betrachtet werden. Auf dieser Aufnahme, mit der er sein Debut auf Rens Newlands "Jive Music"-Labei feiert, finden sich neben drei Beiderbecke-Kompositionen eher ausgefallene Standards, die er mit dem Kern seines Quintetts interpretiert. "Mit Erwin Schmidt und Uli Langthaler habe ich schon sehr oft auch im Trio gespielt, weil sich die "Jazzahead"-Besetzung aus organisatorischen Gründen nicht verwirklichen ließ, Andy Haderer und Bruno Castellucci nicht verfügbar waren. Zuletzt waren wir im Trio auf Tournee in Thailand und spielten in richtigen Konzertsälen abseits der Clubatmosphäre, gerade dort funktionierte dieses Chamber Trio' perfekt." Weitere Auftritte von Heinz von Hermann wird es aber auch wieder im Quintett geben, etwa im Juli in Golling, see you then, Heinz!

Thomas Hein

Martin Kunzler: Jazz Lexikon RoRoRo 2. Auflage März 2004 ISBN 3 499 16512 0

von Hermann, Heinz (ts, bs, ss, fl, cl, comp, ld),
* 21. 10.1936 Wien. Der noch in keiner Beziehung seiner Bedeutung nach erkannte europäische Ausnahmemusiker verfügt über eine individuelle Sprache auf allen seinen Instrumenten, obwohl bzw. vielleicht auch weil er « individuelle Markenzeichen um jeden Preis » entschieden ablehnt: « Dafür bin ich nicht geeignet. Ich will der Musik dienlich sein », erklärt der Ausnahmesolist. Ausgangspunkt seiner musikalischen Sprache ist eine fast an Posaunenartikulation orientierte Bebop Phrasierung auf dem Baritonsaxophon gewesen, die später auch seine TenorStilistik untermauert hat. Die Explosion von Tönen, ihr frappierendes Anschieben auf dem rhythmisch optimalen Punkt, und die spannungsgeladene Entfaltung melodischer Bögen hin zu diesen Punkten, wie man sie bei Heinz von Hermann erleben kann, stehen für meisterhche Jazz Artikulation. Nach einer glanzvollen Karriere als Sohst in zahlreichen europäischen Big Bands der ersten Garnitur stellt Heinz von Hermann seit Mitte der neunziger Jahren in eigenen Projektrahmen auch als Komponist und Konzeptionalist seine Modernität unter Beweis.
Heinz von Hermann, der sein Studium der Radiotechnik aufgab, nachdem ihm der Sieg bei einem von Friedrich Gulda und Fatty George veranstalteten Wettbewerb 1956 große Chancen als Musiker eröffnete, ging 1958 mit Uzzi Förster auf Tournee durch Europa und Nordafrika. Es folgten Engagements bei Herman Wilson, in einem amerikanischen Club in Tripolis und in weiteren Clubs in den Niederlanden, Frankreich und für fünf Jahre in Spanien. Von 1968 bis 1971 gehörte er dem Orchester Max Greger, 1971 bis 1981 Paul Kuhns SFB Big Band an. Auf diesen beiden damals wichtigsten Drehscheiben des Showbusiness arbeitete der Saxophonist mit Stars wie Henry Mancini, Dionne Warwick, Shirley Bassey, Tina Turner, Ray Charles, Paul Anka, Sammy Davis Jr. und Caterina Valente, aber auch mit Jazzlegenden wie Dizzy Gillespie. Daneben gab es alle Arten weiterer musikalischer Aktivitäten, neben eigenen Aufnahmen von lnstrumentalhits und Jazzbeiträgen mit eigenem Trio auch Konzerte mit den Berliner Philharmonikern und Aufnahmen mit dem Orchester Bert Kaempfert. Oft brillierte Heinz von Hermann auch in Big Bands seines Freundes Peter Herbolzheimer, den er schon 1960 in Afrika kennen gelernt hatte. Auch mit Maynard Ferguson und Slide Hampton war er auf Tournee. Nach der Auflösung der SFBBand setzten sich die Projekte mit Herbolzheimer fort. Hinzu kamen Aufnahmen mit Charly Antolini und Aktivitäten mit eigenen Gruppen, etwa einem Trio mit Hans Rettenbacher und Ronnie Stephenson und einem Quintett mit Rolf Ericson, Walter Norris u. a. Achtzehn Jahre lang hatte von Hermann bereits an der Berliner Hochschule der Künste klassischen Saxophonunterricht erteilt, bevor er 1992 einem Ruf an die Jazzabteilung des Landeskonservatoriums Klagenfurt folgte. Unter seinen jüngeren Einspielungen sind « Second Trio » (1992) mit Walter Norris und Mads Vinding, « Jazz Ahead » (1997) und « Live in L. E. » (1998) mit Quintett sowie « Ballad Poetry » (1998) mit Soloaufnahmen und wechselnden Duos hervorzuheben.

Flachgauer Nachrichten (Beilage der Salzburger Nachrichen) vom 16.Jan.2003

Erfolgreicher Asien-Trip von "JazzAhead
Heinz von Hermann mit Trio in Vietnam, Thailand und auf den Philippinen

STROBL. Heinz von Hermann reiste mit seinem Trio im Dezember des abgelaufenen Jahres durch Südost-Asien. Mit Erwin Schmidt am Piano und Ulli Langthaler am Kontrabass. Eingepackt hatte Heinz von Hermann seine berühmte schwarze Holzflöte und sein Tenorsaxophon. Das war Jazz vom Feinsten auf asiatischem Boden. Beim Hanoier EU-Jazzfestival hallten die Begeisterungsrufe der etwa 800 Zuhörer durch das etwas morsche Gemäuer des "Youth-Theatres" bis auf die Straße.
Wie auf jeder Überseetoumee hielten die Musiker von "JazzAhead' auch diesmal wieder Charity-Workshops ab. Die StudententInnen des Konservatoriums in Hanoi kannten die Musiker von ihrer Tournee im Jahre 2000 und freuten sich offensichtlich, wieder Neues vom "österreichischen" Jazz zu lernen. Und auch im sehr schönen, ausverkauften Konzertsaal des Konservatoriums in Ho Chi Minh City - dem einstinals verschlafenen Saigon - waren die drei Musiker in der Lage, ohne Schlagzeug Jazz so zu spielen, dass das Zuhören zur Freude wurde, schildert Managerin Katrin Kowalski.
Der Applaus war ohrenbetäubend. Heinz von Hermann sei anschließend bei einer vietnamesischen Band im Club "Camargue" eingestiegen und habe die jungen MusikerInnen und Gäste durch die Vitalität und Vielfältigkeit seines Spielens ver blüfft.
Von Vietnam ging es nach Thailand. Der inzwischen berühmte Jazzdub Sundowner" in Bangkoks erster Holeladresse - dem Imperial Queens Hotel - war der geeignete Ort. Im Anschluss hatte das Trio die'Ehre, auf Ko Samui im Tongsai-Bay Hotel bei König Bhumibols 75. Geburtstag aufzuspielen. Das war ein Erlebnis der besonderen Art. Vor, allem, weil "Jazz-Ahead" die Noten der Nationalhymne erhielt und mitspielte., als diese von allen Anwesenden angestimmt wurde. Weiter ging es nach Manila. Das Konzert in "Monks Dream" war ausverkauft und am Ende stiegen philippinische Musiker, eine Sängerin und ein Schlagzeuger zu einer Jamsession ein. Das Abschlusskonzert der Tournee war die Weihnachtsfeier- der "Philippine-Austrian-Culture-Societey im Mandarin-Oriental-Hotel. Und allen hat es riesigen Spaß gemacht.

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Jazzpodium September 2002

neue CDs: Heinz von Hermann Quartett: NAPO And The Giant Flute
Mons Records MR 874-350


Wenn ich einige der seit Jahrzehnten und auch heute noch überaus aktiven europäischen Top-Jazzer aufzählen sollte, so würde der Saxophonist / Flötist Heinz von Hermann auf einem der vordersten Plätze der Liste rangieren. Er war in der Vergangenheit nicht nur eine der solistischen Hauptstützen vieler namhafter Big Bands (in Peter Herbolzeimers Rhythm Combination & Brass ist er es heute noch) sondern mit seinen Combos vom Duo bis zum Quintett eine unverzichtbare Bereicherung der interkontinentalen Jazz-Szene.
Den erneuten Beweis dessen tritt Heinz von Hermann mit der vorliegenden CD-Veröffentlichung an, produziert mit seinem aus Erwin Schmidt,p, Uli Langthaler,b und Bruno Castellucci, dr, bestehenden Quartett. Dem Albumtitel entsprechend ist Heinz von Hermann hier ausnahmslos auf Flöten ( einschließlich Bassflöte, Alt- und Eb-Flöte) in Kompositionen von Thad Jones ( "Three in one"), Victor Feldman ("Joshua") und Standards von Harald Arlen bis Irving Berlin zu hören. Daneben kommen von Hermann-Originals ("You stepped on my flute", "Crocus", "Giant flute") zu Gehör, die den Flötisten auch als beachtlichen Komponisten ausweisen.
Das alles wird vom Quartett "straight ahead" auf sehr hohem Niveau präsentiert. "...Wer beim "Limehouse Blues" nicht mit dem Fuß wippen muss, ist entweder scheintot oder ein Avantgardist!" - so Klaus Schulz in seinen liner notes, deren informativ - unterhaltsamer Wert fast allein den Kauf der CD rechtfertigen würde. Aber dann ist da noch diese teuflisch - swingende Musik, Interpretationen, die das Thema "Flöte im Jazz" vollgültig definieren.

P.S.: NAPO ist schlicht der Name einer Ente, die zu Hermanns Haustieren gehört und offenbar von "Giant Flute" tierisch begeistert ist.

Rüdiger Böttger

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Flachgauer Nachrichten 8. Mai 2002

Wahrer Jazz-Export

Heinz v. Hermann´s Jazz ahead Quintett spielte sich in México in die Herzen der Musiker. Mit dabei war diesmal die Sängerin Inés Reiger
Vermittelt hatte diese Tournee die Osterreichische Botschaft in México City. Mit dem Kern der Gruppe (H.v. Hermann, Uli Langthaler, Erwin Schmidt) waren diesmal Inés Reiger und der Schlagzeuger Christian Salfellner unterwegs.
Den Beginn der zehntägigen Tour machte ein Konzert mit fast ausverkauften Saal des Conaculta (National Center of Arts) in der Hauptstadt. "Es gab nicht nur Standing Ovations nach drei Zugaben, sondern die Leute zwischen Teenager und Greis waren auch wirklich begeistert," schildert Managerin Katrin Kowalski. Das Lateinamerikanische Publikum ist eben anders, sehr emotional. Da sei es verwunderlich, dass es in Mexico City nur eine Schule für Jazzmusiker gebe, so Kowalski. In der Escuela Superior de Musica absolvierte das Österreichische Quintett einen Charity Workshop. Heinz von Hermann, bekannt als Big Band -Leader, probte im Anschluß sogar noch mit der Big Band der Schule.
Weitere Konzerte standen noch in der Nachbarprovinz Morelos auf der Hacienda de Cortés (einer ehemaligen Maismühle) Die Mühle wurde zum Hotel und Kulturzentrum der Stadt umgebaut. In Puebla spielte beim Auftritt von "Jazz Ahead" in einem neu errichteten Museum das "Jazzificando"-Quartett aus México als Vorgruppe. Den Abschluß der Tour bildete ein Konzert in Morelia, vier Stunden Autofahrt westlich von México City.
Derzeit tourt das Ensemble wieder in heimischen Gefilden durch Deutschland und Österreich. Mit im Gepäck hat es die neue CD "Napo and the Giant Flute"

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Die Leser und die Redaktion des CONCERTO haben in folgenden Kategorien die besten Künstler und Alben des Jahres 2001 gewählt.:

Bester Künstler
Jazz National
1. Christian Muthspiel (Edel Austria)
2. Powergrade
3. Heinz von Hermann

 

Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien - 19. - 30. Oktober 2001
Von Martin Ohnweiler

.....Dafür haben die Österreicher mit ihrem sprichwörtlichen Charme am letzten Abend schon eingangs den Saal mitgerissen. Heinz von Hermann, obgleich schon 65 Jahre alt, bot mit seinen zum Teil wesentlich jüngeren, aber genauso gevievten Mannen von der schönen blauen Donau einen Jazz, würzig wie die Wiener Melange und kräftig wie der Mocca vom Sacher nahe dem Petersdom oder "Der grünen Adolfstraße" mit latino-feeling.
Einen zusätzlichen Kick allerdings verlieh diesem Quartett dann doch die Vokalsolistin aus Übersee, Judy Niemack. Die Schülerin von Warne Marsh hat bereits mit Toots Thielemanns, James Moody oder einem Dave Brubeck konzertiert. Jetzt ist sie mit Heinz von Hermann unterwegs und köderte mit einer einzigen Kostprobe ihrer Kunst ganz unvorhergesehen, aber bewusst als Vorgeschmack für den gemeinsamen Auftritt am Mittwoch danach im Transilvania-Night-Club das für Draufgabe drängende Publikum im Festival-Saal.....

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Salzburger Nachrichten
28. November 2001

Kollektives Swingen für neuen Schwung

Ein bisschen erinnert der Anblick einer Bigband bei der Arbeit ja immer an Schule. Still sitzen heißt es da für die Musiker, nur auf ein Zeichen des Bandleaders wird aufgestanden und soliert. Aber schließlich war und ist die Bigband ja auch stets "die beste Schule für jeden Jazzer", meint Heinz von Hermann. Dem Wahlsalzburger darf dies auch ruhig geglaubt werden, hat er sich doch u.a. als Saxophonist in Institutionen wie Paul Kuhns SFB-Bigband oder Peter Herbolzheimers "Rhythm Combination & Brass" einen Namen als Autorität auf diesem Gebiet erspielt. Seit geraumer Zeit gibt Hermann seine Erfahrungen als Leader der Salzburger "Oy.Oy.Oy.-Bigband weiter.
Am Montag feierte die Formation in der Arge Nonntal ihren Einstand und swingte sich durch das Bigband-Repertoire von Count-Basie-Standards bis zu Jaco Pastorius´ "The Chicken". Mit Kurt Gersdorf, Uli Barth und Manfred Wambacher kann das Ensemble vor allem auf eine versierte Sax-Sektion verweisen. Ihre Ausbaufähigkeit bewies die Band vor allem im zweiten Set und machte damit neugierig auf die Zukunft: denn als fixe Institution soll die Formation jeden letzten Montag im Monat das ARGE-Beisl beschallen - ein begrüßenswertes Vorhaben zur weiteren Bereicherung der lokalen Jazzszene.

PAC

 

 

Salzburger Nachrichten     22. Oktober 2001

Reisender in Sachen Jazz
65. Geburtstag von Saxophonist und Wahl-Salzburger Heinz von Hermann

Mit Langeweile hatte Heinz von Hermann während der vergangenen fünf Jahrzehnte selten zu kämpfen. Allein die Liste jeder Jazzgrößen, mit denen er auf der Bühne stand, zeugt von einer abwechslungsreichen Karriere. Für den Saxofonisten ist dies jedoch nicht der einzige Grund, um zum 65. Geburtstag, den er am gestrigen Sonntag feierte, zufrieden zurückzublicken. " Das Schöne ist, dass ich meine große Liebe zum Beruf gemacht hab´. So brauch´ich nix kompensieren, und kann locker ein ausgeglichener Mensch sein."
Verfallen war ihr Heinz von Hermann bereits in den 50er Jahren in seiner Geburtsstadt Wien, wo um Musiker wie Fatty George, Friedrich Gulda und Carl Drewo eine Scene blühte, die dem Rest von Europa "sicher fünf bis zehn Jahre voraus war". Dass der Saxofonist den Rest seines Lebens als Reisender verbringen würde, stand damals noch nicht fest. Es verschlug ihn nach Italien, Spanien, Frankreich, Nordafrika und später wieder zurück nach Deutschland. Vielseitigkeit und Offenheit waren da gefragt, wollte man seinen Lebensunterhalt musizierend verdienen. Diese Qualitäten trugen dazu bei, dass Hermann zum gefragten Sideman wurde, der sich gleichermaßen in Max Gregers Showorchester wie in Peter Herbolzheimers " Rhythm Combination & Brass" oder als Gast der Berliner Philharmoniker zuhause fühlte - und nebenbei noch mit Jazzgrößen wie Stan Getz, Dizzy Gillespie oder Lionel Hampton spielte. " Das hängt halt mit der Attitüde zusammen. Ich spiele ja nie nur für mich, sondern für die Leut´. Und denen muß ich was geben."
Seine Wanderjahre hat von Hermann längst beendet. Seit einigen Jahren lebt er in Salzburg, unterrichtet in Klagenfurt und spielt in verschiedenen eigenen Formationen wie dem Quintett "Jazz ahead". Mit seiner Oy.Oy.Oy.-Big Band wird er künftig ein Mal im Monat das Kulturgelände Nonntal beschallen. Ans Aufhören denkt er nicht. Schließlich ist ja auch "die Musik, ein Gebiet, das nie aufhört. Und je länger ich spiele, desto mehr komme ich drauf, was ich alles noch nicht weiß."

PAC

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Jazzzeit 9/2001

Mit 65 Jahren.....

" In Madrid hab´ ich eineinhalb Jahr´ in einem Club gespielt, da haben sie dauernd guest stars wie Lee Konitz oder den Donald Byrd engagiert. Und ich hab mit denen in der Hausband gespielt. Das war eigentlich musikalisch eine der schönsten Zeiten in meinem Leben" erinnert sich Heinz von Hermann. Schöne und weniger schöne Zeiten tauchen viele auf, wenn der österreichische Saxofonist anlässlich seines 65. Geburtstages im Oktober den Blick in die eigene Vergangenheit richtet. In langen Jahren der Wanderschaft in Sachen Jazz hat Heinz von Hermann nicht nur einiges von der Welt gesehen, sondern kann auch auf unzählige musikalische Begegnungen mit den großen Namen des Jazz verweisen.
Begonnen hatte alles im Wien der 50er Jahre. "Da gab´s damals eine sehr gute, kleine Szene mit dem Uzi Förster, dem Friedrich Gulda oder dem Joe Zawinul, die dem Rest von Europa sicher fünf bis zehn Jahre voraus war. Mein Idol war Carl Drewo. So wie der wollte ich spielen lernen." Allein, das Vorhaben Saxofonist zu werden, konnte damals noch leicht an Details scheitern: schon ein Saxofon aufzutreiben erwies sich als keine leichte Aufgabe für den angehenden Jazzer. Noten oder aktuelle Jazzplatten, mit deren Hilfe man den Geheimnissen des Jazz auf die Spurkommen könnte, waren ebenso rar. "Da haben andere Musiker viel weitergeholfen. Der Fatty George hat mir erlaubt, jeden Tag beim Warmspielen bei ihm im Club vorbeizukommen, und hat mir dann immer ein paar Sachen gezeigt." Ein besonders wichtiger Motor für die Wiener Jazzszene war der Pianist Friedrich Gulda. "Der war ja damals schon ein Weltstar, ist viel herumgekommen und hat immer die neuesten Platten aus New York mitgebracht, z.B. vom Horace Silver und den Jazz Messengers. Beim Fritzl die neuesten Sachen anzuhören war ein Pflichttermin!"
Gehalten hat es Heinz von Hermann in Österreich trotzdem nicht. Mit Uzi Förster ging er zunächst nach Deutschland, es folgte ein Job bei Herman Wilson. "Ende der 50er Jahre hat man in Deutschland ja vom Jazz noch leben können. Das hat dann so um 1960 ein jähes Ende genommen, weil viele Jazzclubs pleite gegangen sind." Die Musik wurde kommerzieller, Jazz war nicht mehr gefragt, aber reine Tanzmusik wollte Heinz von Hermann zunächst nicht machen,
"das wäre mit zu großen Schmerzen verbunden gewesen". Also ging er auf Wanderschaft, die ihn in den folgenden Jahren nach Frankreich, Nordafrika und Spanien führte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete Heinz von Hermann dann zunächst in der Band von Max Greger, später in den Big Bands von Paul Kuhn und vor allem von Peter Herbolzheimer, auf deren Besetzungsliste er auch heute noch steht. Auf der Liste jener Stars, für die und mit denen Heinz von Hermann jazzte, fanden sich gleichzeitig immer mehr klingende Namen- von Dizzy Gillespie über Maynard Ferguson bis zu Gerry Mulligan.
Im Rückblick gibt es für den gefragten Sideman da "schon einige Erlebnisse, wo man sagt ‚Wahnsinn, das war`s' Das Engagement mit dem Lee Konitz damals war drei Wochen lang so frustrierend, weil er nur völlig introvertiert gespielt hat und nix zusammengebracht hat. Und irgendwann um zwei in der Früh hat er dann auf einmal Sachen rausgelassen, wo ich mir nur mehr gedacht hab: ich bin froh, dass ich das erleben durfte. Und wenn er für den Rest seines Lebens nur mehr Schmarrn spielt, bleibt er für mich trotzdem a Genie."
Heute unterrichtet Heinz von Hermann Jazzsaxofon in Klagenfurt, pflegt Bandprojekte in kleineren Besetzungen (etwa ein Quintett mit Trompeter Andy Haderer und Drummer Bruno Castellucci) sowie dieSalzburger "Oy.Oy.Oy."-Big Band. Das wichtigste bei all den Dingen - so die Philosophie des Wahlsalzburgers - sei nicht so sehr die solistische Selbstverwirklichung, sondern die Interaktion. " Der Jazz fangt erst dort an, wo ich mit jemand anderem kommuniziere". Fragen des Stils, ob Bebop oder Avantgarde, ob Standards oder eigene Kompositionen, seien dabei eher nebensächlich. " Wichtig is ja net, was ich mache, sondern wie ich es mache. Standards sind für mich der Ausgangspunkt für meine persönliche Ausdrucksweise. Das is' ja die uralte Disziplin der Jazzer, dass sie Songs nehmen die im Original oft grauenhaft klingen, und daraus was Eigenes machen. Manchmal gelingt des halt, manchmal net." Zeit, sich zur Ruhe zu setzen, ist da nach dem 65. Geburtstag also noch lange nicht. "So lang die Kraft da ist", wird Heinz von Hermann "selbstverständlich weitermachen". Denn "die Musik ist ein Thema, das nie endet. Je mehr ich von der Musik weiß, desto mehr komm´ ich
drauf, dass ich nichts weiss."

Clemens Panagl

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EU- Jazzfestival Athen / Griechenland
24. bis 28. Mai 2001

Wunderbarerweise war es uns als Quartett gelungen dieses 1. EU Jazzfestival in Athen mitzuspielen. Organisiert wurde das Festival durch das Schwedische Kulturinstitut, und hier möchte ich vor allem Frau Bodil Nordström für Ihre unermüdliche Arbeit mit 13 Bands, inklusive uns, danken. Das Heinz von Hermann Jazz ahead Quartett eröffnete den 2. Abend und wir waren von der Athmosphäre in der aufgelassen Gasfabrik, das dem Technopolis gehört, begeistert. Das Ambiente war wunderschön, und die Akustik sehr gut. Wir wurden durch die Österreichische Gesandte Frau Gerlinde Paschinger hervorragend betreut. Auch wenn Sie 2 Tage vorher erst mit der ganzen Familie ihren Umzug nach Athen hinter sich gebracht hatte, sorgten sie und ihr Mann doch rührend für uns. Transportation, Sightseeingtour, herrliches Essen und eine schöne nächtliche Hafenrundfahrt versüßten uns die 4 Tage sehr. Am Sonntag, dem letzten Tag war noch eine Jamsession mit den meisten Bands angesagt und wir waren wieder von dem zahlreichen Publikum überrascht. Jazz ist eben doch ein Magnet. Vielleicht hing es damit zusammen, daß der Eintritt frei war, oder mit den relativ lauen Abenden.....
Mir, als Managerin, hat mein erstes großes EU-Jazzfestival viel Freude bereitet und ich wünschte mir, wir könnten bei mehr solchen Veranstaltungen teilhaben.

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Kritik JAZZ Stuttgarter Zeitung 23. 10. 2000


Alles andere als alt
Heinz von Hermann in Esslingen

Was für ein Ton! Heinz von Hermann, nun bereits stolze 64 Jahre alt, beherrscht noch jenes voluminöse Spiel auf dem Tenorsaxofon, das in den Zeiten, als der Fusion dominirte, durch ein schmaleres, gepressteres Klangbild ersetzt wurde. Der vielseitige Bigbandmusiker macht daraus allerdings keinen Kult, und so swingt er im Esslinger Jazzkeller mit dem Quintett "Jazz Ahead" in raschen Bebop-Nummern, in dem Quintett "Last Friends" auch mit beweglicherem, nicht ganz so ausladendem Klang.
Ein wenig muffig roch es in dem tiefen Keller in der Webergasse, doch die Töne waren alles andere als alt, verbraucht oder angeschimmelt. Heinz von Hermann ließ sein Instrument atmen, hauchen und schnurren, und genau diese wohldosierte Vielfalt machte seinen "Waltz for my Satin Doll", eine in den Dreivierteltakt umgewandelte Variante von Duke Ellingtons Klassiker "Satin Doll", zum facettenreichen Liebeslied. Hatte er genug geblasen, lösten ihn der Gitarrist Christian Havel oder der Pianist Erwin Schmidt mit weit schwingenden Melodien als Solist ab, und manchmal gönnten sich auch der Bassist Uli Langthaler und der Schlagzeuger Joris Dudli ebenfalls ein knappes Solo.
Balladen, ein fröhlicher "Triocalypso" mit Heinz von Hermann an der Querflöte, ein bezauberndes Flöten-Gitarren-Duo über "Old Folks" und einige andere Stücke fügten sich zu einem abwechslungsreichen P rogramm. All die revolutionären Neuerungen aus den 70er und 80er Jahre, all jene Experimente und unorthodoxen Arrangements oder Spielweisen sind an diesen Bands vorbeigezogen. Sie swingten im besten Mainstream, und ihnen zuzuhören, war ein Vergnügen.

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Kritik JAZZ Zeitung 6 / 2000

Heinz v. Hermann: Jazz ahead: A Standard Treatment
Mons Records 874320

Selten trifft ein Titel so den Nagel auf den Kopf. Die "standardmäßige Bahandlung" des Saxophonisten und Bambusflötenspielers Heinz von Hermann umfaßt Swing- und Bopnummern, Titel aus dem "Great American Songbook" und zwei Eigenkompositionen. Swing und sophistication sind bereits spürbar, ohne daß ein Ton gespielt, ein Takt geschlagen ist. Ein Versprechen sozusagen, das dann tatsächlich auch eingelöst wird. Voll und ganz. Und im jeweils ersten Durchgang, wie uns der blaublütige Musikant und Produzent im Bookletttext versichert. Das Album ist rund, harmonisch aufgebaut. Beginnend mit einem verschmitzten Arrangement des Klassikers "Stompin´at the Savoy" entläßt es nach einer Stunde entspannt swingender Stimmung die Zuhörer mit einer delikaten Version von Ellingtons "Caravan" . Dazwischen: weitere Klassiker in unprätentiösen Arrangements für eine klassische Hardbopbesetzung mit Andy Haderer (tp, flh) als zweitem Bläser.

Michael Scheiner

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Kritik Heilbronner Stadtanzeiger 3. Juni 2000

Es war einmal in New York
Jazz ahead im Cave Heilbronn

"Summertime" die 2788. Interpretation, wenn´s denn reicht. eine große Portion wiener Schmäh und heftiges Augenzwinkern ist da schon von nöten um den Rechtfertigungsdruck von den Schultern der Musiker zu nehmen. Doch Heinz v. Hermann, österreichischer Saxophonist und Bandleader, geht damit gelassen um, um nicht zu sagen: er geht in die Offensive und widmet den Goodies gleich eine ganze Scheibe mit dem doppeldeutigen Titel "Standard Treatment" (Standard Bearbeitung-respektive Freude). Zur überraschung des Publikums im Heilbronner Jazzclub Cave 61 im Gewölbekeller des Bürgerhauses in Böcklingen geht dieses Konzept auf, zumindest was Gershwin´s "Summertime" angeht. Heinz von Hermann´s Quintett Jazz ahead mit dem Ausnahme-Trompeter Andy Haderer, dem Pianisten Erwin Schmidt, dem Bassisten Uli Langthaler und Walther Grassmann(Schlagzeug) lassen es swingen.
Verfeinert durch ungewöhnlich schöne Flöten-(H.v.Hermann), Flügelhorn-und Trompetensoli entsteht eine dichte Athmosphäre.Nicht die eines harmlosen Blümchenwiesen Sommertages, sondern einer Szene aus dem dampfenden Ozon-Moloch New York Citys: stinkende Gullys und vor sich hin schmelzender Teer inklusive. Und dennoch gibt es Grenzen für diesen Retro-Kult. Dann etwa, wenn die sogenannten Originals ohne große Not unreflektiert historisiert werden.Prompt kommt Sehnsucht nach weiteren echten Standards auf. ein Verlangen, das etwa mit Stan Kenton/Bill Holman-Klassiker "Stompin´at the Savoy" befriedigt wird.

Michaela Adick

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Kritik Konzert Esslinger Zeitung Oktober 2000

Globetrotter mit Wiener Charme
Esslingen: Heinz von Hermann Quintett im Jazzkeller-Rührige Widmung

Das hätte auch voll daneben gehen können. Einmal abgesehen vom finanziellen Knick für die Veranstaltungsgemeinschaft war zu befürchten, daß dem nur zur Hälfte besetzten Forum sowohl die Musiker als auch die Hörer die gewünschte Resonanz fehlen könnte.Nichts von alledem. Heinz von Hermann (64), Vollprofi der er ist, setzte von Beginn die richtigen Steine zur Dramaturgie. In sympathischem Wiener Idiom - und ohne Schmäh - stellte der altgediente Saxophonist und Flötist die Mitglieder seiner Formation "Jazz Ahead" vor. Uli Langthaler am Kontrabass und Joris Dudli am Schlagzeug bildeten den rythmischen Unterbau und Christian Havel (Gitarre) und Erwin Schmidt (Piano) waren - wie sich bald herausstellte- die beiden tragenden Elemente eines erstaunlich frischen und interessanten, bestens eingespielten Quintetts.
Vom gleichen Jahrgang (1955) unterhalten sie Professuren an den Musikhochschulen in Wien und Klosterneuburg, leiteten etliche internationale Workshops und spielten mit gar manchem großen aus der Szene. Darüber hinaus überzeugten sie vor allen Dingen solistisch. Schmidt in einer Stilmischung von Bud Powell zu Bill Evans und Christian Havel, unaufgeregt, sich mit glasklarem Klang zwischen seinem offensichtlichen Vorbild Wes Montgomery und einem introvertierten Jim hall bewegend, Es war ein Genuß, die beiden so sympatischen musiker zu verfolgen, Heinz von Hermann, musikalischer Globetrotter und schon in sehr vielen Big Bands zu Hause, gab dennoch den Ton an. Am Tenorsaxophon sauber intonierend, allerdings etwas kurzatmig zu Beginn, dann aber immer überzeugender in den up-tempo-Beiträgen aus eigenen Kompositionen. Stimmungsvoll seine Balladen auf der Flöte - warum muß eigentlich immer ein Teil des Publikums gerade hierbei seine lautstarke abendliche Unterhaltung führen? - und fast anrührig in einer Widmung an einen verstorbenen Freund.
Zum Programm: ein charmantes Arrangement im Jazz - Waltz zu Ellington´s "Satin doll", über "Hadern", ein Original bis zu "Third Floor Richard", einer Komposition von Charles Lloyd, vielleicht die gelungenste Darbietung des Abends. Dazwischen, wie erwähnt, immer wieder eigene Arbeiten. Ein gut aufgelegte Calypso, ein kokettierendes "Old Folks" auf der Flöte oder das fetzige "Last Friends" sorgten so für eine ausgesprochen angenehme und anspruchsvolle Begegnung. Heinz von Hermann verabschiedete sich denn auch mit artigem Kompliment aus der Webergasse..........

Udo Klinner

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